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Definition: (anarchia, gr. = Herrenlosigkeit) Meist im internationalen System bezeichnetes Fehlen einer obersten Direktive, bzw. ordnenden Gewalt. Kann auch auf einen Staat ohne Regierung angewendet werden.
Anarchische Gesellschaft (H.Bull): Souveräne Staaten bilden eine internationale Gesellschaft aufgrund ähnlicher Interessen, Werte und Regeln. Die internationale Gesellschaft ihrerseits bildet internationale Institutionen. Hedley Bull kritisierte am Naturzustand von Thomas Hobbes die verwendete Bedeutung des Begriffes der Anarchie. Bulls Meinung nach können Menschen nicht mit Staaten verglichen werden, da Staaten in der Regel nicht, wie Menschen, auf einen Schlag sterben können. (Diese lange verbreitete Annahme änderte sich jedoch durch die Entwicklung von Atomwaffen!) Nach Bull wird ein internationales Mächtegleichgewicht durch atomare Abschreckung hergestellt. (Deterrance) Das Völkerrecht findet jedoch auf Menschen und Staaten Anwendung und ist daher dynamisch. (siehe Nürnberger Prozesse) Großmächte, bzw. Hegemonen werden als solche von anderen Akteuren anerkannt und modifizieren ihre Politik dahingehend in verantwortungsvoller Weise. Bull sieht Krieg als Institution, die das Völkerrecht aufgrund internationaler Anarchie durchsetzen soll. Hier wird Krieg zwar als Mittel, aber auch als Gefahr gesehen, die es wegen des Erhalts des internationalen Mächtegleichgewichts einzudämmen gilt.
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