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Realismus (Morgenthau) PDF Drucken E-Mail
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Vertreter: Hans Morgenthau
Menschenbild: strebt nach Macht, politisch, religiös, moralisch, wirtschaftlich
Machtbegriff: Macht = politische Währung
Staat: strebt nach Macht (wie das Menschenbild / siehe Naturzustand: "Jeder gegen jeden")
Internationales System: ohne oberste Direktive / Gewalt

Geschichte:
Der Realismus war in den 30er bis 50er Jahren des letzten Jahrhunderts der Sammelbegriff für Theorieansätze um internationale Beziehungen zu erklären. Im darauffolgenden politischen Denken des Realismus wird das politische Dasein in der Geschichte wird fortschreitender Prozess interpretiert, infolgedessen erfolgt die Annäherung an eine Lösung. Der Realismus beschäftigt sich stark mit den Realitäten der Politik und seinen gewaltsamen Aspekten. Sein Ziel ist es, sich mit dem menschlichen Wesen auseinanderzusetzen, so wie es wirklich ist.
Vorbilder:
Thukydides (460-400 v. Chr.) : Geschichte des Peloponnesischen Krieges
Machiavelli (1469-1527) : Il Principe
Hobbes (1588-1679) : Leviathan

Zusammenfassung:
1) Die Rationalität, die das Denken eines Realisten ausmacht, bedeutet, sich der bestehenden Kräfte im Internationalen System bewußt zu sein, sie einschätzen und mit diesen umgehen zu können. Das Gegenteil wäre der Idealismus, der die Motive und Endziele von politischem Handeln in veränderlichen Idealen begründet sieht. Politik wird von objektiven Gesetzen beherrscht, deren Ursprung in der menschlichen Natur liegt. Genau diese Gesetze muß man verstehen, um die Gesellschaft verbessern zu können. Sind diese Gesetze überzeugend, kann der Realismus daraus eine vernunftgemäße Theorie entwickeln. Allerdings muß er zwischen Wahrheit und subjektiver Meinung unterscheiden. Diese Theorie muß Tatsachen feststellen und ihnen durch Vernunft einen Sinn geben.
2) Macht ist das grundlegende Interesse eines Staates. Sie bedeutet konkret die Herrschaft von Menschen über Menschen nd ist nicht meßbar. Daraus ergibt sich ein Problem für die Beurteilung eines sog. Mächtegleichgewichtes. (balance of power) Militärische und wirtschaftliche Macht sind nicht direkt miteinander vergleichbar. Unbestritten bleibt jedoch, dass einer Macht nur mit einer anderen Macht entgegengewirkt werden kann. Die Moral schränkt diese Notwendigkeit jedoch ein. Der Begriff Interesse, im Sinne von Macht, ist der wichtigste Orientierungspunkt des politischen Realismus in der internationalen Politik. Interesse verbindet Vernunft und die zu bewältigenden Tatsachen. Die realistische Theorie versucht vor zwei Trugschlüssen zu bewahren: übertriebene Einschätzung bestimmter Beweggründe und ideologische Rücksichten. Normatives Element des politischen Realismus: politische Realität hat viele Momente des Zufalls, die Einfluß nehmen könnten. Der politische Realismus schafft ein theoretisches Gerüst einer rationalen Außenpolitik. Die Erfahrung vermag dies nie ganz zu leisten.
3) Der Begriff Interesse ist von Umständen der Zeit und des Ortes abhängig. Politische Entscheidung müssen daher im historischen Kontext betrachtet werden. Welches Interesse welches politische Handeln bestimmt hängt vom politischen und kulturellen Handeln ab, in dem die Außenpolitik entsteht. Dasselbe gilt für den Begriff Macht. Macht ist die Herrschaft von Menschen über Menschen und umfasst alles was dies bewirkt und enthält, egal um welche Herrschaftsform es sich dabei handelt.
4) Normativ, bzw. anthropologisch wirkt die Theorie des Realismus deswegen, weil ein klarer Bezug zum machtgetriebenen Menschenbild und dem anarchischen Naturzustand von Thomas Hobbes angezeigt wird. Folglich bewegt sich diese Theorie auf den ersten beiden Analyseebenen. (1.Individuum; 2.Staat) Aus diesem Grund wird oft die Kritik laut, es handle sich hierbei um einer Theorie der Außenpolitik eines Staates und nicht um eine des Internationalen Systems. Synergieeffekte von Staat und Internationalem System werden vernachlässigt. Der Realismus geht von einem pluralistischen Menschenbild aus. Das bedeutet, er erkennt an, dass sich der menschliche Charakter in ökonomische, moralische, religiöse, etc. Züge einteilt. Politische Ethik wird in der Beurteilung einer politischen Handlung nach ihren politischen Folgen definiert. (sog. worst case) Der sittlichen Bedeutung des politischen Handelns ist sich der politische Realist bewusst und erkennt den unvermeidlichen Gegensatz zwischen sittlichem Gebot und dem Erfordernis erfolgreich politisch zu handeln. Sittliche Grundsätze dürfen allerdings nicht verallgemeinert angewendet, sondern müssen unter konkreten Umständen von Zeit und Ort beurteilt werden. Die daraus entstehenden politischen Folgen müssen durch Vernunft und Klugheit getroffen werden, um moralisch vertretbar zu sein. Für den Realismus ist diese Klugheit, ein Abwägen der Folgen alternativer politischer Handlungen, die höchste Tugend der Politik.
5) Das sittliche Streben einer bestimmten Nation darf, laut politischem Realismus, nicht mit den sittlichen Gesetzen gleichgesetzt werden, welche die Welt beherrschen. Der Unterschied wäre wie der, zwischen Wahrheit und Meinung und noch zutreffender, zwischen Wahrheit und Götzenanbetung. Einen bestimmten Nationalismus mit Vorsehung gleichzusetzen ist moralisch unhaltbar. Als Macht verstandenes Interesse bewahrt vor sittlichen Exzeß und politischer Torheit. Wenn alle Nationen als politisches Gebilde mit Interessen im Sinne von Macht angesehen werden, kann ihnen Gerechtigkeit widerfahren: Man kann Nationen wie die eigene beurteilen und daraus eine Politik verfolgen, die die Interessen anderer Nationen anerkennt und gleichzeitig die eigenen Interessen schützt und fördert.
6) Der politische Realist beansprucht eine Eigengesetzlichkeit, die sich von anderen Bereichen klar unterscheidet. Interesse wird im Sinne von Macht verstanden. Er fragt: "Welche Wirkungen hat diese Politik auf die Macht des Staates?" Es gibt noch weitere Maßstäbe, die aber der Politik untergeordnet werden müssen. Die Methoden hierfür sollen auf ihren Bereich und ihre Funktion beschränkt bleiben.Politischer Realismus beruht auf einer pluralistischen Auffassung der menschlichen Natur. Der Mensch ist wirtschaftlich, politisch, moralisch, religiös etc; er kann nicht nur eines davon sein. Wegen dieser Vielseitigkeit der menschlichen Natur will der politische Realismus jede einzelne Seite für sich aufgreifen, um diese in ihrer Eigenart veranschaulichen zu können. Von der Natur des Menschen ausgehend sieht der Realismus beispielsweise den Kalten Krieg als einen Machtkampf und nicht als Ringen um eine jeweilige Ideologie.

Macht als "Währung der Politik":
Die Realisten sind der Ansicht, Politik lasse sich nach den gleichen objektiven Gesetzlichkeiten erfassen wie Wirtschafts- und Naturwissenschaften. Ist bei einer ökonomischen Betrachtungsweise der Welt der alles entscheidende Faktor Geld, so entspricht diesem in der Politik der Begriff der Macht als Mittel und Zweck allen Handelns. Es sei darauf hingewiesen, dass Macht hierbei keineswegs ausschließlich negativ verstanden wird, schließlich ist sie im politischen Geschehen auch zur Durchsetzung von überaus hehren Zielen notwendig. Ein Problem stellt hier wiederum die Messbarkeit des Einflusses von Nationen dar. So gibt es neben eindeutigen Kriterien, wie z.B. militärischer Stärke durchaus auch Macht, die kaum empirisch festzuhalten ist. Der Begriff ist außerdem höchst kontextabhängig.

Internationales System des Realismus = Naturzustand von Hobbes ?:
Es gibt viele Punkte, die suggerieren, dass sich die internationalen Akteure ähnlich wie das Individuum im Naturzustand Hobbes' verhalten. Zunächst fehlt eine oberste Souveränität, ein Weltstaat, der über Sanktionsmaßnahmen gegen alle Länder verfügt. Morgenthau knüpft primär an den Hobbeschen Machtbegriff an. Er argumentiert wie Hobbes auf der Analyseebene des Individuums, das seine Interessen mithilfe von Macht verfolgt und sich aufgrund des Sicherheitsdilemmas aggressiv absichern muss. In seinem ewigen Streben um Macht erscheinen uns der Staat zudem - gerade im Zeitalter modernster Waffentechniken und des Terrorismus - ähnlich verwundbar wie der Mensch im Naturzstand. Es sprechen hingegen auch viele Tatsachen gegen eine solche Vergleichbarkeit. So unterscheidet sich eine Nation doch allein schon hinsichtlich ihrer Fähigkeit zu überleben, stark vom Individuum. Auch ist , betrachtet man Organisationen wie EU oder auch UN durchaus ein Bestreben der Staaten zu erkennen, Gemeinschaften zu bilden, die nicht ausschließlich der eigenen Machterweiterung dienen. Hobbes' Individualismus spricht den Menschen dieses Bemühen ab.

 
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